Beziehungsstillstand. Bleiben oder gehen?
Warum wir in Beziehungen festhalten, obwohl sie uns nicht (mehr) lebendig machen.
Manchmal beginnt eine neue Beziehung nicht mit einem neuen Partner. Sondern mit einem neuen Verhältnis zu sich selbst.
Warum wir in Beziehungen festhalten, obwohl sie uns nicht (mehr) lebendig machen.
„Ich liebe dich.“ – „Wirklich?“
Manche Menschen tun sich schwer einem „Ich liebe dich!“ zu trauen. Nicht, weil der andere unglaubwürdig wäre, sondern weil sie selbst tief in sich davon überzeugt sind, nicht liebenswert zu sein.
Wer sich selbst nicht liebt, fordert vom Partner Beweise:
Beweise mir, dass ich liebenswert bin. Beweise mir, dass du mich magst. Erst der Beweis macht mich sicher.
Doch: Kein Partner kann diesen Beweis endgültig liefern.
Wenn das eigene Selbstwertgefühl auf schwachen Beinen steht, wird selbst Liebe verdächtig. Ein „Ich liebe dich“ beruhigt für einen Moment, löst kurz darauf die nächste Frage aus: „Aber warum?“ „Wirklich?“ „Wie lange noch?“
So wird aus Liebe Kontrolle. Aus Nähe Abhängigkeit. Aus Beziehung ein permanenter Selbstwerttest.
„The first cut…“ – die erste Liebe sitzt tief.
Unsere ersten Beziehungserfahrungen prägen unser Liebes- uns Beziehungsleben. Erleben wir als Kind Wärme, Verlässlichkeit, Zuwendung und das Gefühl „Ich bin willkommen.“ „Ich bin liebenswert“, entsteht eine stabile innere Basis.
Fehlt diese Erfahrung oder bleibt sie brüchig, kann sich ein anderes Credo einnisten:
„Mit mir stimmt etwas nicht.“ Dann wird Liebe zur Leistung.
„Ich muss mich anpassen.“
„Ich muss funktionieren.“
„Ich muss für den anderen da sein.“
„Ich muss mir Zuneigung verdienen.“
Das klingt nach Bescheidenheit, ist aber eine ziemlich raffinierte Form von Selbstaufgabe. Und irgendwann sitzt man in einer Beziehung, die nach außen funktioniert und fühlt sich innen leer.
Es ist nicht die Aufgabe des Partners mich zu „reparieren“.
Mein Partner kann mir Liebe geben, aber er kann mir nicht das Gefühl geben, liebenswert zu sein, wenn ich es selbst nicht glauben kann.
Wer diese Aufgabe auslagert und delegiert, gerät leicht in eine Spirale:
Ich fühle mich nicht geliebt
→ du musst mir deine Liebe beweisen
→ ich zweifle an deinem Beweis
→ du strengst dich noch mehr an
→ ich werde noch abhängiger.
Das ist keine lebendige Beziehung mehr. Das ist emotionale Buchhaltung.
- Wer gibt mehr?
- Wer bemüht sich weniger?
- Wer liebt wen stärker?
- Wer hat was gesagt?
- Wer hat sich wann zurückgezogen?
Während beide bilanzieren, geht das Leben in die Zielgerade.
Beziehung verändert, irritiert, regt an, impulsiert.
Beziehung darf irritieren. Sie darf widersprechen. Sie darf uns verändern.
Der andere ist nicht auf der Welt, um mein konstruiertes Bild von ihm zu erfüllen. Und ich bin nicht auf der Welt, um das Bild zu erfüllen, das der andere von mir hat. Das ist die Zumutung von Beziehung:
Wir müssen einander Freiheit zugestehen.
Nicht:
„Ich liebe dich, solange du so bleibst, wie ich dich brauche.“
Sondern:
„Ich liebe dich, ich bin neugierig, wer du noch werden kannst.“
Persönlichkeitsentfaltung statt Beziehungspflege
Vielleicht investieren wir zu viel Energie darin, eine Beziehung „in Schuss zu halten“.
Wir reden über Kommunikation.
Wir reden über Bedürfnisse.
Wir reden über Konflikte.
Wir reden darüber, was der andere ändern müsste.
Und: Eine Beziehung benötigt nicht noch mehr Reparatur.
Sie braucht Leben. Mehr Leben.
Mehr Eigenständigkeit.
Mehr Neugier.
Mehr Mut.
Mehr Reibung.
Mehr Entwicklung.
Zwei Menschen, die sich selbst kaum noch spüren, können auch miteinander keine wirklich lebendige Beziehung führen.
Persönlichkeit entfalten statt Persönlichkeit verwalten.
Persönlichkeit entfalten statt Persönlichkeit verwalten.
Und dann kommt die Frage
Wer sagt eigentlich, dass unsere Vorstellung vom anderen stimmt?
Max Frisch bringt es in seinem berühmten Gedanken „Du sollst dir kein Bild machen!“ radikal auf den Punkt: Gerade den Menschen, den wir lieben, sollten wir nicht endgültig festlegen.
Sobald wir glauben, den anderen zu kennen, besteht die Gefahr, ihn nicht mehr wirklich zu sehen.
Dann heißt es irgendwann:
„Du bist nicht der Mensch, für den ich dich gehalten habe.“
Aber vielleicht liegt genau darin die Chance.
Wofür hast du ihn gehalten? Wofür hast du dich selbst gehalten?
Vielleicht ist die Beziehung nicht daran gescheitert, dass der andere sich verändert hat. Vielleicht ist sie daran gescheitert, dass wir ihm diese Veränderung nicht erlaubt haben.
Ausbrechen oder abbrechen?
Wenn eine Beziehung stillsteht, gibt es nicht nur die Wahl zwischen Aushalten und Trennen.
Es gibt eine dritte Möglichkeit:
Ausbrechen.
Aus alten Rollen. Aus Erwartungen. Aus Abhängigkeiten. Aus dem Zwang, geliebt werden zu müssen, um sich selbst lieben zu können. Aus der Vorstellung, dass der Partner für mein Glück verantwortlich ist.
Manchmal beginnt eine neue Beziehung nicht mit einem neuen Partner. Sondern mit einem neuen Verhältnis zu sich selbst.
Und manchmal ist die ehrliche Antwort tatsächlich:
Abbrechen. Nicht aus Trotz. Nicht aus Flucht. Sondern weil zwei Menschen trotz aller Bemühungen nicht mehr gemeinsam wachsen können.
Das Entscheidende ist deshalb nicht:
„Soll ich bleiben oder gehen?“ Die entscheidendere Frage lautet:
„Bin ich in dieser Beziehung noch lebendig?“
Wenn die Antwort Nein lautet, wird es Zeit, etwas zu verändern.
Brechen Sie aus. Oder brechen Sie ab. Aber brechen Sie nicht sich selbst.
Eine Psychotherapie kann Ihnen helfen, die alten Muster zu erkennen, die eigene Beziehungsgeschichte zu verstehen und wieder Zugang zu den eigenen Bedürfnissen, Grenzen und Möglichkeiten zu finden.
Denn eine lebendige Beziehung beginnt nicht damit, dass der andere endlich alles richtig macht. Sie beginnt damit, dass ich selbst wieder lebendig werde.
Mehr dazu in einem persönlichen Gespräch unter 0699 10052818 oder unter wolfgangrodlauer@wolfgangrodlauer.at. Verwandeln Sie Ihre Beziehung in eine sprudelnde Quelle der Lebendigkeit! Das Gegenrezept gegen festgefahrene Muster in Ihrer Selbst-Beziehung: eine Psychotherapie. Eine Psychotherapie in Linz.
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